Schöpfungsverantwortung - was hat das mit mir zu tun
Mein Leitspruch:
Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese
Welt!
(Mahatma Ghandi)
Während ich meiner „Berufung“ folgte - Lehre, Weiterbildung, 11 Jahre Führungsfunktion in der Industrie, 14 Jahre Arbeit mit Häftlingen der Männerstrafvollzugsanstalt „Karlau“, - rackerten meine Frau sowie Oma und Opa am Hof. Maridal war zusätzlich noch Tagesmutter für Kinder mit „besonderen Bedürfnissen“.
1994 erfolgte die Gründung der Fa. KWB Biomasseheizung GmbH, welche ich bis 2017 als geschäftsführender Gesellschafter leitete. KWB entwickelt und produziert mit ca. 350 Mitarbeitenden modernste, vollautomatische Biomasseheizungen. 2020 haben über 5.000 Stück das Werkstor verlassen. Sie produzieren Wärme aus nachwachsenden Rohstoffen (Stückholz, Hackschnitzel, Pellets, Olivenkerne…) in Europa, Afrika, China, Japan, Südamerika und Kanada.
Meine Frau und ich haben „Gott sei Dank“ keine „konventionelle“ landwirtschaftliche Schul- und Berufsausbildung. So waren wir in unseren Gedanken frei und verfolgten sehr kritisch die lokalen und globalen Entwicklungen. Schnell war für uns klar, den Weg des „Wachsen oder Weichen“, der Raubbau an der Schöpfung, das ist nicht unser Weg. Der Text im Buch Genesis „Macht euch die Erde untertan...“ irritierte uns. Franz von Assisi war uns im Bezug zur Schöpfungsverantwortung in der besonderen Achtung vor der gesamten Umwelt näher. Für meine Frau und mir wurde es immer klarer: Wir können nicht länger gegen die Natur arbeiten, sondern nur mit ihr und wollten nicht länger Teil des zerstörerischen Systems sein.
Diese Grundeinstellung prägte auch die KWB Gründungsphase. Das Ziel war und ist mit unseren Produkten einen Beitrag zur Umstellung des atomaren und fossilen Energiesystems, hin zu erneuerbarer Energie zu leisten. Ökologie und Soziales sollten mit der Ökonomie auf einer Ebene stehen. Als sichtbares Zeichen nach außen gilt unsere Vision: Wir geben Energie fürs Leben, sowie unser Logo in den Farben „sonnengelb“ und „waldgrün“ mit dem Baum im Zentrum. Seine ausgeprägten Wurzeln und der Stamm, welcher die Krone trägt, sind Zeichen der Verbundenheit mit der Schöpfung. Nur wenn der Boden mit ausreichend Luft, Wasser und Nährstoffen angereichert ist, kann der Baum starke Wurzeln entwickeln, Nahrung aufnehmen und eine kräftige Krone entwickeln. Sie gibt Schutz und Nahrung für Mensch und Tier.
Wenn die Wurzeln tief sind, braucht man den Wind nicht zu fürchten.
Im Jahr 1990 erfolgte auf unserem Hof eine radikale Wende, weg von unserer wirtschaftlich erfolgreichen, konventionellen Landwirtschaft, hin zur Biolandwirtschaft. Unser mit hohem, persönlichem Einsatz errichtetes neue Wirtschaftsgebäude, einschließlich modernen „Schweinestall“ (Konzentrationslager für Tiere) fiel dem Abbruchhammer zum Opfer. Opa hätte diesen Umbruch nicht ausgehalten, so musste Schwager Hansi her um erstmals mit seinen Eltern auf zu Urlaub fahren. Bis zu ihrer Rückkehr standen die Fundamente für einen neuen, artgerechten Schweinestall. Die „Spinner“ des Dorfes waren festgemacht, Opa traute sich nach der Kirche kaum mehr zur traditionellen „Nachbesprechung“ ins Dorfgasthaus. Nicht nur für ihn war es ein Rückschritt, eine Schande. Opa fand sich wieder in der Nachkriegszeit. Biologische Landwirtschaft bedeutete für ihn Hunger und Armut.
In der Begleitung unserer Kinder hin zu eigenständigen, fröhlichen und lebensbejahenden Menschen, auch Erziehung genannt, war meine Frau bemüht Schöpfungsverantwortung spür- und sichtbar zu machen. Sie erlebten alles mit und bekamen ab einem Alter von 2 Jahren eine kleine Fläche zum Garteln, wo sie säten, jäteten, beobachteten, ernteten und (Erde) verkosteten. Erde war nicht mehr Dreck, sie wurde zum Lebensraum, zu einer wertvollen Lebensgrundlage. Würmchen und Käfer, Biene, Hummel, Raupe und Schmetterling, Maulwurf und Amsel waren Teil ihres Lebens. Die Kleinen übernahmen Verantwortung für ein kleines Schweinderl, einen Hasen oder ein Kätzchen. Wenn Papa und Mama wieder mal schwierig waren, und das waren sie oft, konnten sie sich mit den Tieren aussprechen. Der Regen wurde von der Plage zum Segen, hinein in die Pfütze, ab in den Bach und rauf auf die Bäume. Von früh bis spät die Natur mit allen Sinnen erfassen; langsam verwurzeln. Das schaffte Beziehung mit und zu unserer wunderbaren Schöpfung.
Rückblickend dürfen wir erkennen, Gottes Wege sind nicht immer gerade und nicht jedes Samenkorn findet sofort einen fruchtbaren Boden. Es braucht Geduld bis sich die Ernte einfahren lässt! Wir sind stolz auf unsere Kinder, so unterschiedlich sie auch sind, sie übernehmen Verantwortung für die Schöpfung.
Schöpfungsverantwortung, was hat das mit mir zu tun? Nur wenn wir bereit sind, Tiere und Pflanzen auch als Teil der Schöpfung zu achten, können wir, egal wie alt wir sind, langfristig ein gutes Leben führen. Alles Leben lebt auf einer Erde, unter einer Sonne. Wir sind eine Menschheit und Leben funktioniert nur im Zusammenleben. Und: Wir sind Christen!
Erwin Stubenschrott
Dezember 2020